Neue Funktionsbewertungen im Hort: Falscher Zeitpunkt – falsches Vorgehen!

Die pädagogischen Funktionen in den Horten der Stadt Zürich sollen neu bewertet werden. Das ist grundsätzlich sinnvoll, doch der Zeitpunkt und das Verfahren für eine Neubewertung sind falsch gewählt. Ausserdem braucht es mehr Transparenz als bisher.

Ausser den Hortleitungen (HL) gibt es heute in der schulergänzenden Betreuung die Leitungen Betreuung (LB) und die FaBe sowie die Betriebsassistentinnen (BA). Schon seit einiger Zeit sind die LB der Meinung, dass die umfassenden Anforderungen an ihre Arbeit mit der Einstufung in die Funktionsstufe 10 nicht angemessen erfasst werden. Daher sollen die pädagogischen Funktionen im Hort neu beschrieben und bewertet werden. Das Schulamt hat neue Stellenbeschriebe ausgearbeitet, welche die Basis für eine Überprüfung der Funktionsstufen darstellen sollen.

Der VPOD hat die Entwürfe zu den neuen Stellenbeschrieben mit den Betroffenen diskutiert und eine Stellungnahme dazu verfasst. Grundsätzlich begrüssen wir, dass im Rahmen der allgemeinen Entwicklung der Horte die verschiedenen Aufgaben und Funktionen im Hort angesehen werden. Allerdings sind wir der Meinung, dass der jetzige Zeitpunkt für eine Betrachtung aller pädagogischen Funktionen ungeeignet ist.

Falscher Zeitpunkt

Die schulische Betreuung ist seit einiger Zeit in grosser Bewegung, und der Ausbau geht stetig weiter, wobei das Gewicht bisher auf der quantitativen Entwicklung liegt. Welche Aufgaben die verschiedenen pädagogischen Fachleute in den zukünftigen Einrichtungen haben sollen, ist bisher noch nicht geklärt. Gleichzeitig läuft das Projekt Tagesschulen 2025, welches ebenfalls zu umfassenden Veränderungen im Betreuungsbereich führt. Auch hier sind die Rolle des Betreuungspersonals und das Verhältnis zwischen Schule und Betreuung noch nicht klar. Die jetzige Arbeitsteilung zwischen BA, FaBe, HL und LB ist bis zu einem gewissen Grad ein Zufallsprodukt, u.a. wegen der unbefriedigenden Stellvertretungssituation. Die Möglichkeiten einer sinnvollen Arbeitsteilung und Delegation sind noch längst nicht ausreichend erprobt und ausgeschöpft.

Aus diesen Gründen ist der VPOD der Meinung, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Funktionen in der schulischen Betreuung zunächst unter pädagogisch Gesichtspunkten weiterentwickelt werden muss, bevor die Funktionen sinnvoll beschrieben werden können. In der Zwischenzeit ist es möglich, die gestiegenen Anforderungen an die Leitungen Betreuung zu würdigen und ihnen unabhängig von einer Gesamtschau im Rahmen des existierenden Lohnsystems der Stadt Zürich gerecht zu werden.

Im Übrigen müsste auch ein Konzept gemacht werden, wie die hohe Anzahl an BetreuungsassistentInnen mit pädagogischen Aufgaben reduziert bzw. in ausgebildetes Personal umgewandelt werden kann. Wir sind der Meinung, dass für pädagogische Aufgaben grundsätzlich nur pädagogisch ausgebildetes Personal eingesetzt werden sollte und dass hier noch eine grosse Aufgabe für die Qualitätsentwicklung in der schulischen Betreuung wartet.

Veraltetes pädagogisches Konzept

Die vorgeschlagenen neuen Stellenbeschreibungen sind widersprüchlich, unsystematisch und folgen einem veralteten pädagogischen Konzept.

Generell ist es heute üblich, im Zusammenhang mit der familienergänzenden Kinderbetreuung nicht mehr von Betreuung, sondern von «Betreuung, Bildung und Erziehung» zu reden, um deutlich zu machen, dass es sich nicht um eine Aufbewahrungsaufgabe handelt, sondern um einen anspruchsvollen und umfassenden Förderauftrag, dessen Ausgestaltung für die Entwicklung der Kinder grosse Bedeutung hat. Im Kontinuum von Bildung, Betreuung und Erziehung haben die verschiedenen Institutionen je unterschiedliche Schwerpunkte, eine Trennung zwischen Bildung auf der einen und Betreuung auf der anderen Seite ist unzeitgemäss und würde ausserdem den notwendigen zukünftigen Entwicklungsschritten in Richtung Tagesschule entgegenstehen. Die Stellenbeschriebe müssten dieses pädagogische Verständnis klar signalisieren.

Dass die Stellenbeschreibungen widersprüchlich und inkonsistent daherkommen, ist nicht überraschend, denn sie sind das Ergebnis von verschiedenen Einzelüberarbeitungen der vergangenen Jahre. Eine Gesamtschau bietet jetzt die Möglichkeit, die Stellenbeschriebe systematisch anzusehen, wie es bei Funktions- oder Modellbeschreibungen üblich ist. Dazu müssen klare, abgestufte Aussagen zu den Themen Sozial- und Selbstkompetenzen, Kommunikation und Kooperation, Verantwortung und Führung, Fach- und Sachkenntnissen gemacht werden, bei denen die drei Funktionen FaBe, HL und LB oder sogar alle vier Funktionen (inklusive BetriebsassistentInnen) nebeneinander angesehen werden, so dass der jeweilige Zuwachs an Anforderungen deutlich sichtbar wird - dies im Sinne der Vergleichbarkeit untereinander und mit anderen gleichwertigen Funktionen in der Stadt Zürich.

Beispiel: Die unterschiedlichen Anforderungen an die Kommunikation mit den Eltern sollten beispielsweise folgendermassen beschrieben werden:

FaBe: «Einfache Übermittlungsinhalte (einfache Botschaften; konkrete gleichartige Inhalte)»

HL: «Anspruchsvolle Übermittlungsinhalte (schwierige Botschaften; gewisser Abstraktionsgrad der Inhalte)»

LB: «Komplexer bis sehr komplexer Übermittlungsinhalt (sehr schwierige Botschaften, hoher Abstraktionsgrad der Inhalte, grosse Diplomatie bei der Übermittlung nötig)»

Nur so wird deutlich, welche Anforderungen an die jeweiligen Funktionen gestellt werden und welche Verantwortung sie übernehmen müssen. Ohne diese Art der Modellbeschreibungen sind Funktionsstufenzuordnungen nicht möglich.

Im Hortalltag zeigt sich, dass gerade FaBe sehr unterschiedlich eingesetzt werden und auch unterschiedlich viel Verantwortung übernehmen. Hier bräuchte es klare Umschreibungen, in welcher Form Praxis- und Umsetzungskenntnisse sowie Weiterbildungen vorausgesetzt und anerkannt werden.

Das Schulamt sieht vor, zur Abstützung der Stellenbeschriebe Befragungen von einzelnen Arbeitnehmenden machen zu lassen. Der VPOD ist der Meinung, dass Befragungen der verschiedenen Funktionen im Hort zum jetzigen Zeitpunkt keine sinnvollen Informationen erbringen. Eine flächendeckende Befragung würde zeigen, dass die Arbeitsteilung von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ist und dass dringend über Verbesserungen nachgedacht werden muss. Eine Befragung von ausgewählten Personen wird aber nur Zufallsergebnisse erbringen, die keinen sinnvollen Beitrag zu den Funktionsbeschrieben geben. Der VPOD lehnt diese Art der Befragung daher entschieden ab und fordert das Schulamt auf, darauf zu verzichten. Stattdessen sollen konsistente Funktionsbeschreibungen erarbeitet werden, welche die verschiedenen pädagogischen Funktionen gemeinsam ansehen und den jeweiligen Zuwachs an Anforderungen sichtbar machen.

Fehlende Transparenz

Die GFO ist die Firma, welche für die Stadt Zürich die Arbeitsplatzanalysen durchführt. Nach den bisherigen Erfahrungen des VPOD arbeitet die GFO nicht transparent, so dass ihre Ergebnisse und Empfehlungen nicht überprüfbar sind.

Im Kanton Zürich gilt auch für die Gemeinden seit 1. Oktober 2008 das Öffentlichkeitsprinzip. Die Stadt Zürich hat sich zudem als Arbeitgeber ausdrücklich zur Transparenz verpflichtet: «Die Stadt achtet die Mitwirkungsrechte des Personals, strebt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Personalverbänden an und gewährleistet Transparenz durch frühzeitige und offene Information», heisst es in den Ausführungen zum Personalrecht. Mitwirkungsrechte können aber nur sinnvoll ausgeübt werden, wenn den Arbeitnehmenden alle nötigen Informationen zur Verfügung stehen. In diesem Sinne fordert der VPOD, dass im Zusammenhang mit der geplanten Neubewertung die Bewertungen und Gewichtungen der GFO zu den einzelnen Funktionen transparent gemacht werden müssen. Insbesondere muss deutlich werden, welche Kriterien in die Lohnstufenzuordnung einfliessen und wie die Gewichtung der einzelnen Kriterien ist.

Zusammengefasst sind wir der Meinung:

  • Die Überarbeitung der Funktionsbeschriebe in der vorliegenden Form muss jetzt sistiert werden. Die gestiegenen Anforderungen an die LB können unabhängig davon gewürdigt werden.
  • Es braucht zunächst ein Konzept zur zukünftigen Zusammenarbeit und Arbeitsteilung der verschiedenen pädagogischen Funktionen in Hort, schulergänzender Betreuung und Tagesschule.

  • Es braucht systematische Funktionsbeschreibungen, welche die verschiedenen Funktionen FaBe, HL und LB, ggf. auch BA, gemeinsam ansehen und den jeweiligen Zuwachs an Anforderungen sichtbar machen.

  • Befragungen von einzelnen Personen können keine sinnvollen Informationen erbringen. Wir lehnen sie daher ab.

  • Die Unterlagen der GFO müssen für die Verhandlungen über die Funktionsstufenzuordnung umfassend zur Verfügung stehen. Insbesondere muss deutlich werden, welche Kriterien in die Funktionsstufenzuordnung einfliessen und wie die Gewichtung der einzelnen Kriterien ist.

November 2016 / Christine Flitner