Lohnumfrage 2017: Der VPOD fordert Taten statt Worte!

Von: Roland Brunner

Ende August 2017 hat der Verband des Personals öffentlicher Dienste VPOD bei den Angestellten des Kantons Zürich und seiner selbständigen, öffentlich-rechtlichen Betriebe eine Lohnumfrage lanciert, um die Temperatur und den Druck zu messen. Die Umfrage erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch. Dazu fehlen dem VPOD die Mittel und Möglichkeiten. Aber sie ergibt ein klares Stimmungsbild. und ihre Aussagen sind eindeutig.

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In einem Monat haben mehr als 3200 Personen an der Umfrage teilge­nommen. Erfreulich ist, dass die Antworten aus allen Bereichen kamen. Sie ergeben so ein gutes Bild über den ganzen Kanton hinweg. 57% der Teilnehmenden waren Frauen, 43% Männer. Auch bei Dienstalter und Anstellungsverhältnissen (Lohnklassen, Stellenprozente) sind alle Angestelltengruppen vertreten.

Keine Lohnentwicklung

Im Laufe ihrer Anstellung haben 32% der Teilnehmenden noch nie eine Lohnerhöhung erhalten. Ein Viertel (24%) kam in den Genuss einer einzigen Lohnerhöhung. Noch düsterer sieht das Bild aus, wenn man nur die Lohnerhöhungen berücksichtigt, die seit der Abschaffung des automatischen Stufenanstiegs per 1.1.2010 gegeben wurden. 40% der Teilnehmenden hat seit dann nie eine Lohnerhöhung erhalten und weitere 34% ein einziges Mal, 17% zweimal. Im Verlauf dieser acht Jahre haben also 90% der Teilnehmenden kaum eine Lohnentwicklung erfahren.

Eindeutig ist die Aussage, mit welcher Begründung eine Lohnerhöhung verweigert wurde: 76% geben an, als Grund sei ihnen gesagt worden, dass es kein Geld dafür gebe. Auch bei den Einmalzulagen sind die Aussagen eindeutig: Mehr als die Hälfte (55%) der Teilnehmenden geben an, noch nie eine Einmalzulage erhalten zu haben. Und selbst die Einmalzulagen, die verteilt wurden, sind mickrig: 40% haben eine Einmalzulage unter 500 Franken erhalten.

Grosse Unzufriedenheit

Entsprechend eindeutig ist denn auch die Aussage zur Zufriedenheit mit der Lohnentwicklung. 28% der Teilnehmenden sind mit der Lohnentwicklung sehr unzufrieden, 29% sind unzufrieden, weitere 22% eher unzufrieden. Auf der Seite der mehr oder weniger Zufriedenen bleibt also weniger als ein Viertel – gegenüber drei Viertel, die mit ihrer Lohnentwicklung unzufrieden sind.

Klare Prioritäten

Die Frage, was den Teilnehmenden wie wichtig ist, ergab ein klares Bild: An erster Stelle steht die Lohnfairness, also die Forderung, einen fairen Lohn zu erhalten für die geleistete Arbeit. Auf den nächsten Plätzen folgen Forderungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Sozialversicherung (Pensionskasse) und der Forderung nach mehr Ferien.

Kantonaler Lohnklau

436 Mio. Franken: Das ist der Betrag, welcher der Kanton Zürich von 2010 bis 2016 als eigene Budgetentlastung auf Kosten der Angestellten eingespart hat. Dies ergibt eine Untersuchung der Lohnentwicklung, die der VPOD gemacht hat. Der Betrag setzte sich zusam­men aus den jährlichen Rotationsgewinnen, die nicht für Lohnerhöhungen zur Verfügung gestellt wurden, und der Auflösung von BVK-Rückstellungen, die über die Sanierungsmass­nahmen auch den Arbeitnehmenden gekommen wären.

Würde nun dieser Betrag von 436 Millionen Franken für das kommende Budgetjahr 2018 in eine generelle Lohnerhöhung für das kantonale Personal bis und mit Lohnklasse 20 umgewandelt, käme dies einer 8%igen Lohnerhöhung gleich! Andreas Daurù, Präsident der VPOD Sektion Zürich Kanton sagt: «Diese Zahl soll einmal klar und deutlich aufzeigen, wie viel die Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer des Kantons Zürich zu den jeweiligen Spar­runden der letzten Jahre beigetragen haben.» Und er hält fest: «Es würde dem Kantons- und Regierungsrat gut anstehen, für das kommende Jahr 2018 sein Personal nicht erneut mit netten und dankenden Worten zu vertrösten, sondern endlich Taten sehen zu lassen: Mehr Lohn und mehr Ferien sind gefordert und dafür werden wir uns von Seiten VPOD einsetzen!»

Forderungen

Gestützt auf die Lohnuntersuchung und die Lohnumfrage 2017 fordert der VPOD den Regierungsrat auf

  • den Angestellten des Kantons und der selbst­ständigen, öffentlich-rechtlichen Betriebe den vollen Teuerungsausgleich zu gewähren (gemäss UBS-Studie 0,5% für 2017 und 0,6% für 2018)
  • in den nächsten drei Jahren die ausgewiesene Lücke zu schliessen, die sich in der Lohnentwicklung während der letzten Jahre gegenüber den von ihm selbst festgelegten Vergleichs­grössen ergeben hat. Als erste Massnahme fordern wir per 1.1.2018
    • eine generelle Lohnerhöhung von 2% für alle Beschäftigten mit einem Vollzeit-Einkommen bis Fr. 100’000 pro Jahr
    • Eine generelle Lohnerhöhung von 1% für alle Beschäftigten mit einem Vollzeit-Einkommen über Fr. 100’000 pro Jahr
  • bei allfälligen individuellen Lohnerhöhungen die tieferen Einkommen besonders zu berücksichtigen
  • die trotz höheren Lohnabzügen für die Pensionskasse BVK gesunkenen Rentenansprüche zu kompensieren und die in den letzten Jahren aufge­lösten BVK-Rückstellungen von 303 Millionen Franken für einen Aus­gleich der Minderverzinsung der Sparkapitalien zu verwenden.

allen dem kantonalen Personalrecht unterstellten Beschäftigten per 2018 zusätzliche Ferientage zu gewähren, um damit den Standard in der Privatwirtschaft zu erreichen (mind. fünf Wochen Ferien)

Für Rückfragen und Interviews stehen Ihnen gerne zur Verfügung

Andreas Dauru, Präsident VPOD Sektion Zürich Kanton, 079 360 48 64

Roland Brunner, Regionalsekretär VPOD, 044 295 30 22 / 076 338 72 87

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