Stadt Zürich: Umkleiden ist Arbeitszeit

Vier Minuten umziehen pro Dienst - eine Pauschale von Fr. 60.- pro Monat und Vollzeitpensum. Kein schlechter Witz, sondern der realitätsfremde und knausrige Vorschlag des Stadtrats.

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Worum es geht...

Im Gesundheitssektor und auch in anderen Bereichen müssen sich Mitarbeitende für ihre Arbeitstätigkeit zwingend am Arbeitsort umkleiden. Wegen der «Einhaltung von Hygienevorschriften» oder der «objektiven Unzumutbarkeit, den Arbeitsweg in der Arbeitskleidung zurückzulegen» (Stadtratsbeschluss 1111/2019).

Wir haben im Herbst 2018 die politische Forderung Umkleidezeit = Arbeitszeit aufgegriffen und den Vollzug der arbeitsgesetzlichen Definition von Arbeitszeit bzw. Umkleidezeit eingefordert. Aktuell fehle eine Rechtsgrundlage, welche festlege, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Art und Weise Umkleidezeit als bezahlte Arbeitszeit gelte. Auch aus Gründen der Rechtsgleichheit sei dementsprechend eine klärende gesetzliche Grundlage für die ganze Stadt Zürich zu schaffen – so der Stadtrat im Dezember 2019.

In der Vernehmlassung zur neuen Regelung hattten wir die Verdichtung der Arbeit (gleiche Aufgabenfülle in weniger Zeit) als Kompensation für die Anerkennung der Umkleidezeit als Arbeitszeit entschieden abgelehnt und bei der Festsetzung einer angemessenen Zeitpauschalen die Mitwirkung der Mitarbeitenden und ihrer Vertretungen vorgeschlagen. Zeitpauschale seien aber nur dann festzulegen, wenn das Stempeln nicht möglich sei.

Was hat der Stadtrat entschieden?

Der Stadtrat hat nun insbesondere die Interessen des Gesundheits- und Umweltdepartements GUD berücksichtigt und eine Regelung festgelegt, welche wiederum die Dienstabteilungen in die Verantwortung nehmen, unter Mitwirkung der Mitarbeitenden für ihre Betriebe und Bereiche angemessene Pauschalen festzulegen. Das GUD lässt verlauten, dass die Einführung einer Zeitpauschale aufgrund der personellen Situation nicht umsetzbar sei.

Der Beschluss des Stadtrates von einer Geldpauschale von Fr. 60.- macht bei zwanzig Diensten in einem Monat 3.- Fr. pro Dienst oder ca. 2 Minuten für das Umziehen am Anfang und am Ende der Schicht. Eine pauschale Abgeltung von Fr. 60.- pro Monat für ein volles Pensum ist nicht nur realitätsfremd und knausrig, sondern auch willkürlich.

Der Vorschlag erfolgt just in einem Moment, in dem das Gesundheitspersonal durch die Covid-19-Pandemie chronisch an ihrer Leistungsgrenze und darüber hinaus schuftet. Wie will sich die Stadt Zürich als attraktive Arbeitgeberin positionieren, wenn sie ihre Mitarbeitenden einen solch knauserigen Wert beimisst? Die Wertschätzung bleibt da auf der Strecke. Wir rufen die Dienstchef*nnen auf in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden und Ihren Vertretungen eine faire und angemessene Lösung zu finden.

  • Unsere Argumente und Forderungen

    Anfang 2019 hat das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) in seiner Wegleitung zum Arbeitsgesetz explizit festgehalten, dass die Umkleidezeit zur Arbeitszeit gehört. Knapp 2 Jahre später tun sich immer noch viele Betriebe mit einer entsprechenden Regelung schwer. Damit entgeht den Angestellten bis zu einem halben Monatslohn jährlich!

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