Ausbildungspflicht für Pflegeheime und Spitex?

Von: Roland Brunner

Der Regierungsrat will dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen begegnen, indem er schon ab nächstem Jahr eine Ausbildungspflicht für Pflegeheime und die Spitex erlässt. Nicht falsch, aber kaum richtig, findet der VPOD. Attraktive Arbeitsbedingungen wären wichtiger!

Der Verband des Personals öffentlicher Dienste VPOD, die Gewerkschaft des Gesundheitspersonals, begrüsst im Grundsatz den Entscheid des Regierungsrates, Pflegeheimen und der Spitex eine Ausbildungspflicht aufzuerlegen, wie sie für Spitäler bereits seit 2013 gilt. Damit kann verhindert werden, dass Institutionen als Trittbrettfahrer die ausgebildeten Fachkräfte abwerben, ohne selber in die Ausbildung zu investieren Den Fachkräftemangel wird diese Ausbildungspflicht aber nicht beheben.

Das grosse und ständig wachsende Problem des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen entsteht zu einem kleinen Teil durch fehlende Ausbildungsmöglichkeiten. Auch mit der Ausbildungspflicht wird die Anzahl an ausgebildeten Fachkräften minimal steigen. Laut Regierungsrat waren es 2016 bereits 1675 Ausbildungsstellen und mit der Ausbildungspflicht sollen es nächstes Jahr 1800 Stellen sein. Den grössten Teil des Bedarfes wird die Schweiz und der Kanton Zürich aber weiterhin mit dem Zuzug von Pflegefachkräften aus dem Ausland decken müssen. Hier sind die ganze Schweiz und der Kanton Zürich die Trittbrettfahrer, indem sie dem Ausland qualifizierte Fachkräfte entziehen, die dort für gutes Geld ausgebildet wurden und die dort dann fehlen. Unser Gesundheitswesen funktioniert also zu grossen Teilen auf Kosten der Gesundheitsversorgung anderer Länder.

Das Hauptproblem liegt aber darin, dass von den ausgebildeten Pflegefachkräften viele ihren Beruf innert kürzester Zeit wieder verlassen oder ihre Pensen auf ein erträgliches Mass reduzieren, weil die Arbeits- und Anstellungsbedingungen so schlecht sind. Solange bei Löhnen und Ferien, Schichtplänen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht wesentliche Verbesserungen erfolgen, wird sich dies nicht ändern. Dies belegen mehrere Studien der letzten Jahre. Die Studie «Berufslaufbahnen und Berufsrollen in der Pflege aus der Sicht von Berufseinsteigenden» der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW) beispielsweise stellt fest: «Damit sie sich einen langfristigen Verbleib im Beruf vorstellen können, erwartet ein grosser Teil der Berufseinsteigenden eine Verbesserung ihrer Arbeitssituation. Sie erwarten mehrheitlich einen bessern Lohn, für sie passendere Arbeitszeiten, optimalere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine stärkere Unterstützung durch das Management.»

Auch die grosse Lohnumfrage 2018 von VPOD und VPV hat gezeigt, dass hier der Schuh am stärksten drückt. Mehr Menschen als Pflegefachkräfte auszubilden macht nur Sinn, wenn man sie mit attraktiven Arbeits- und Anstellungsbedingungen dann auch im Gesundheitswesen halten kann. Hier sieht der VPOD grossen Nachholbedarf und fordert dringliche Massnahmen.

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