Das Streikkomitee Bildung stellt Forderungen und ruft alle Lehrer*innen am 14. Juni zum Frauen*streik auf

Von: Fabio Höhener und Anna-Lea Imbach

Das vom VPOD Zürich Lehrberufe initiierte Streikkomitee Bildung hat in einem offenen Brief Forderungen an die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner und weitere politische Akteur*innen zur Umsetzung der Gleichstellung gestellt. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, rufen der VPOD und das Komitee alle Angestellten aus den Bildungsinstitutionen, Studierenden und Schüler*innen zur Teilnahme am Frauen*streik vom 14. Juni 2019 auf.

In genau einem Monat findet der landesweite Frauen*streik statt. Bereits jetzt steht fest, dass sich unzählige Angestellte aus dem Bildungsbereich daran beteiligen werden. Grund dafür ist einerseits die träge oder fehlende Umsetzung der Gleichstellungsanliegen im Bildungsbereich und die Solidarität mit allen Frauen* im In- und Ausland. Die Angestellten und Studierenden aus allen Bildungsstufen, die sich seit Dezember 2018 regelmässig im Rahmen des Zürcher Streikkollektiv Bildung treffen, haben diskutiert, wo in ihrem Alltag die Gleichstellung verbessert werden kann und dazu Forderungen aufgestellt. In einem offenen Brief wurden die Forderungen heute der Bildungsdirektorin übermittelt. Die Anzahl der kleineren und grösseren Forderungen mag erstaunen. Sie ist aber Zeichen davon, dass dem Bildungsbereich in Bezug auf Chancengleichheit und Gleichstellung eine besondere Verantwortung zukommt: einerseits in Bezug auf die Anstellungsbedingungen und anderseits in Bezug auf die Bildungsinhalte. 78 Prozent der Lehrpersonen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II sind Frauen. Unter Lehrer*innen heisst es dabei schon lange, dass sich «der Frauenanteil an der Schule umgekehrt proportional zur Schuhgrösse der Kinder verhält». Umso kleiner die Kinder, desto eher werden sie von Frauen unterrichtet und deso tiefer ist der Lohn. Ausserdem vermag die Schule Geschlechterrollen aufzubrechen oder zu zementieren. Ihre Rolle in Bezug auf die gesellschaftliche Gleichstellung ist daher zentral.

Katrin Meier, Präsidentin des VPOD Lehrberufe, meint dazu: «Wir haben genug davon, dass kollektive Probleme individualisiert werden. Mit der Gleichstellung muss es endlich vorwärts gehen und daher ist der Streik auch im Bildungsbereich nötig».

Im heute veröffentlichen Brief fordern die Lehrpersonen unter anderem die längst fällige Angleichung der Lohnklasse der Kindergartenstufe an die der Primarstufe, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Betreuungsaufgaben und Freizeit, sowie die geschlechtergerechte Vermittlung von Bildungsinhalten. Zusätzlich sollen Familien- und andere Pflegeverpflichtungen im neuen Berufsauftrag nicht zu unverschuldeten Abwesenheiten führen und betreute Pausen und Auffangzeiten sollen als Arbeitszeit angerechnet werden.

Der VPOD Zürich als offizieller Sozialpartner und die Mitglieder des Komitees haben diese Forderungen gemeinsam erarbeitet, diese einstimmig verabschiedet und zu deren Durchsetzung zum Streik aufgerufen. Wie und in welcher Form gestreikt wird, entscheiden die Arbeitnehmenden in den jeweiligen Schulen und Bildungsinstitutionen und werden dabei vom VPOD unterstützt. Dabei ist klar, dass der Streik während der Arbeitszeit stattfinden wird.

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