Akute Fusionitis mit Komplikationen

Eigentlich sollte schon im Frühling über die Fusion der Spitäler Uster und Wetzikon abgestimmt werden. Eigentlich. Dann wurde die Abstimmung auf den 27. September verschoben. Aber auch daraus wird nichts. Fusionitis mit Problemen.

Die Spitäler Uster (öffentlich-rechtliches Regionalspital) und GZO Wetzikon (Aktiengesellschaft) planten eine 50:50-Fusion. Aber jetzt hat die Realität diesem Traum der Spitaldirektionen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Spitäler teilten am 21. Juli mit: «Mit Blick auf die Unterzeichnung des Fusionsvertrags wurde die Unternehmensbewertung aktualisiert. Die Neubewertung auf Basis der Kennzahlen aus den Jahren 2018, 2019 und 2020 lässt das Beteiligungsverhältnis von 50 zu 50 Prozent nicht mehr rechtfertigen.»(zur Medienmitteilung der Spitäler)

Nun reagieren die Grünen der Stadt Uster auf dieses "Debakel". In ihrer Medienmitteilung fordern sie den Rücktritt des Ustermer Spital-Verwaltungsratspräsidenten Reinhard Giger und halten sie fest: «Der Vertrauensverlust in die Leitung des Spitals Uster, allen voran in den Verwaltungsratspräsidenten Reinhard Giger, ist riesig.». Die Grünen bezweifeln, ob innert weniger Monate mittels strategischer Massnahmenpakete wieder ein Beteiligungsverhältnis von 50:50 erreicht werden kann. Sie führen an, dass einschneidende Sparmassnahmen auch zu Ertragsausfällen führen dürften.

Mit Blick auf die künftige medizinische Gesundheitsversorgung stellen die Grünen gleich einen fünf Punkte umfassenden Forderungskatalog auf.

  1. vollständige Transparenz über die aktuelle finanzielle Situation und die Bewertung des Spitals Uster sowie die Offenlegung des Businessplans 2035 sowie aller strategischen Massnahmenpakete.
  2. im Falle eines Personalabbaus: die Ausarbeitung eines umfassenden Sozialplans unter Einbezug von Politik und Personalverbänden mit dem Ziel, die Anzahl Kündigungen zu minimieren und deren Folgen zu mildern.
  3. Kooperation statt Konkurrenz: Jetzt müssen Alternativen zur Fusion geprüft werden. Das Ziel muss sein, die medizinische Gesundheitsversorgung im Oberen Glattal und Zürcher Oberland mit zwei Spitalstandorten Uster und Wetzikon zu erhalten, die ihr Leistungsangebote klar aufeinander abstimmen.
  4. eine externe Untersuchung zu den Versäumnissen der bisherigen Spitalführung hinsichtlich der strategischen Positionierung der Spitals Uster und dessen Finanzierbarkeit sowie der Informationspolitik gegenüber den Delegierten des Zweckverbandes Spital Uster und den Zweckverbandsgemeinden.
  5. angesichts der mehr als nur ungünstigen Lage des Spitals Uster und der erwähnten Versäumnisse eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob es nicht an der Zeit für einen sofortigen Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Reinhard Giger wäre.

Obwohl sich die Grünen in den drei Parlamenten von Wetzikon, Uster und Dübendorf anfangs dieses Jahres trotz Vorbehalte für die Spitalfusion ausgesprochen haben - «die einzige Überlebenschance für beide Spitalstandorte» -, verlangen sie nun, dass Alternativen zur Fusion geprüft würden.

Eine späte Erkenntnis. Aber hoffentlich noch nicht zu spät. Denn klar ist: Das Debakel und die Fusionitis dürfen nicht auf dem Buckel von Personal und Patient*innen ausgetragen werden.

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