Petition "Wir VikarInnen" eingereicht

Von: Fabio Höhener

Für die Petition «Wir VikarInnen» des VPOD sind in drei Tagen exakt 1250 Unterschriften eingegangen - die meisten davon von betroffenen Vikarinnen. Die grosse Unterstützung freut uns. Die hohe Zahl hat aber auch etwas Erschreckendes: Sie zeigt, wie viele VikarInnen von der Situation in unterschiedlichster Weise betroffen sind. Als offizieller Sozialpartner des Kantons hat der VPOD seine Forderungen mit folgendem Brief bei der Bildungsdirektion eingereicht.

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin Dr. Steiner
Sehr geehrte Frau Amtschefin Dr. Völger

Die Bildungsdirektion, das Volksschulamt und alle Angestellten im Schulfeld leisten zurzeit enormes, angesichts der grossen Herausforderung durch die Corona-Krise und der Einstellung des Präsenzunterrichts. Die Gewerkschaft VPOD ist mit der Arbeit der Behörden grundsätzlich zufrieden und kann viele Entscheidungen und Massnahmen mittragen. In Bezug auf die teilweise prekäre Situation der VikarInnen, die mit erheblichen Lohnausfällen zu rechnen haben, fehlt unserer Ansicht nach aber bisher der politische Wille, eine geeignete Lösung anzustreben.

VikarInnen zeichnen sich durch eine hohe Flexibilität aus, indem sie Schulen in jeder personellen Notlage kurz- oder längerfristig unterstützen. Nur dank den Stellvertretungen kann der Grundsatz «Schule findet statt» überhaupt gewährleistet werden. Auch während der Corona-Krise findet die Schule in Form von Fernunterricht statt. Jedoch ohne den Einsatz der VikarInnen, auch wenn sie gerne den Schulen zur Verfügung stehen würden. Zum einen, weil Abordnungsgründe für bereits geplante Vikariate kurzfristig entfallen und zum anderen, weil grundsätzlich keine neuen Vikare abgeordnet werden sollen. Inwiefern der Bedarf der Schulen während des Ausfalls des Präsenzunterrichts rückläufig ist, ist umstritten. Klar ist, dass mehrere hundert VikarInnen auf Grund der aktuellen Situation von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen dastehen und nicht wissen, ab wann sie wieder eine Stelle antreten können. Diese Situation führt nicht nur zu Existenzängsten, sondern in einigen Fällen auch kurzfristig zu echten finanziellen Problemen.

Das Arbeitsverhältnis der VikarInnen wird in der Lehrpersonalverordnung geregelt. Bei einer Abwesenheit einer Lehrperson von mehr als drei Tagen ist das Volksschulamt die Anstellungsbehörde. Das Schulsystem ist auf Vikarinnen und Vikare angewiesen. Wir sehen daher die Bildungsdirektion in der Pflicht für diese Personen eine Lösung zu finden. Die VikarInnen nehmen diese Form von Arbeit auf Abruf nicht einfach in Kauf, weil sie das wollen, sondern auch, weil die Schule diese Anstellungen nur in dieser Form anbietet, obwohl auch andere Modelle (Jahresarbeitszeit, Bandbreitenmodelle) denkbar wären. Die Anstellungsverhältnisse der VikarInnen sind mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, die VikarInnen sind bereit dieses Risiko einzugehen, weil sie sich aufgrund von Erfahrungswerten und durchschnittlichen Abwesenheitsstatistiken darauf verlassen können, regelmässig Angebote zu erhalten. Die aktuelle Situation geht jedoch weit über das hinaus, was zu erwarten war. Sie führt dazu, dass einige VikarInnen ihrer Existenzgrundlage ganz oder teilweise beraubt werden oder zumindest grosse Einbussen hinnehmen müssen.

Auch wenn die Krise vorbei ist, wird unser Bildungssystem auf die engagierten VikarInnen angewiesen sein. Wir halten es daher für falsch, dass die VikarInnen von der Bildungsdirektion allein gelassen oder gar an das RAV verwiesen werden. Als Sozialpartner der Kantonsregierung fordern wir die Bildungsdirektion dazu auf, für die Betroffenen VikarInnen, welche einen erheblichen Erwerbsausfall auf Grund den behördlich beschlossenen Massnahmen erleiden, Kompensationen auf der Grundlage der monatlichen Durchschnittsausgaben für Vikariate sowie der durchschnittlichen Einsatzzeiten der VikarInnen in den vergangenen Monaten in die Wege zu leiten. Der VPOD ist gesprächsbereit, die BiD bei der Ausarbeitung geeigneter Massnahmen zu unterstützen.

Der VPOD hat vergangenen Freitag eine Petition lanciert und betroffene VikarInnen dazu aufgerufenen, sich zu melden. Wir sind von der schieren Zahl von Rückmeldungen erschüttert. Über das Wochenende haben sich über tausend VikarInnen gemeldet, welche das Anliegen des VPOD unterstützen. Viele haben uns ihre persönliche Situation mitgeteilt, einige dieser persönlichen Stimmen möchten wir mit Ihnen teilen.

Wir danken Ihnen für die schnelle Bearbeitung dieses wichtigen Anliegens.

Freundliche Grüsse,

Fabio Höhener, Gewerkschaftssekretär VPOD Lehrberufe
Katrin Meier, Präsidentin VPOD Lehrberufe
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