Who cares?! Klärungsbedarf in den Städtischen Pflegezentren

Von: fip

Das Personal in der Langzeitpflege war in den letzten Monaten durch die Corona-Pandemie besonders gefordert. Missstände, die bereits vorher da waren, sind deutlich zum Vorschein gekommen. Das Personal wurde nicht ausreichend geschützt und mit ihren Bedenken nicht ernst genommen. Der VPOD Zürich fordert deswegen am 14. Juni anlässlich des sich jährenden Frauen*streiks beim die Verantwortlichen auf, die nötigen Schritte zu unternehmen.

Am 14. Juni jährt sich der Frauen*streik an dem Tausende Frauen* für die Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen öffentlich eingestanden sind. Der Grossteil der Angestellten in den Pflegezentren sind Frauen*, ohne deren täglichen engagierten Einsatz das Gesundheitswesen kollabieren würde. Insbesondere bei der Langzeitpflege handelt es sich um einen klassischen Frauen*beruf, der gesellschaftlich kaum Anerkennung erfährt und im Vergleich zu anderen Tätigkeiten unterbewertet ist.

«Im Pflegezentrum, in dem ich arbeite sind nicht nur viele Bewohnende erkrankt und gestorben, sondern auch Mitarbeitende erkrankt.», erzählt eine Fachperson aus einem städtischen Pflegezentrum. «Viele Entscheide, die im Zusammenhang mit der Pandemie getroffen wurden, sind für uns als Angestellte nicht nachvollziehbar. Wir wurden zu wenig geschützt und wussten nicht, wie wir uns richtig verhalten müssen.» Laut der Direktion der Pflegezentren sei das Personal ausreichend über die ausserordentlichen Hygienemassnahmen instruiert gewesen. Das Personal hingegen dementiert diese Darstellung: «Die Instruktionen, die wir erhalten haben, waren nicht klar genug. Sonst wäre es nicht zu so vielen Ansteckungen gekommen. Wenn einzelne krank waren, wurde auf sie Druck aufgesetzt, dass sie möglichst schnell wieder zur Arbeit kommen. Wer sich testen lassen musste, wurde aufgefordert den Test selbst zu bezahlen.»

Offensichtlich besteht eine grosse Diskrepanz in der Wahrnehmungen der Ereignisse des Personals einerseits und der Arbeitgeberin andererseits. Dass weiterhin Klärungsbedarf besteht, verdeutlichen mitunter die Anfragen, die von Zürcher Gemeinderät*innen verschiedener politischer Parteien Anfang Juni eingereicht wurden. Der VPOD Zürich wird am kommenden 14. Juni die Angestellten vor den Pflegezentren Gehrenholz und Riesbach direkt selbst befragen.

Der VPOD erwartet, dass die Verantwortlichen der Pflegezentren der Stadt Zürich ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeiter*innen wahrnehmen. Eine gute und menschenwürdige Pflege braucht Zeit und Ressourcen. Ein kleiner Schritt in diese Richtung wird die Umsetzung der Anrechnung der Umkleidezeit sein. Zudem ist ausreichend qualifiziertes Personal unabdingbar. Im Zusammenhang mit der Corona Pandemie fordert der VPOD:

  • Ein Schutzkonzept mit entsprechender Schulung des Personals für künftige Pandemien
  • Übernahme der Kosten für Corona Tests für die Mitarbeitenden (nach Bedarf)
  • Entschädigung für die ausserordentliche Leistung und psychische Belastung des Pflegepersonals während der Corona-Pandemie
  • Aufarbeitung der getroffenen Entscheide, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie getroffen worden sind
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