Tagesschule 2025: Leutenegger entscheidet über die Köpfe der Angestellten hinweg

Von: Fabio Höhener und Martina Flühmann

Der Stadtrat hat gestern Mittwoch beschlossen, dass ab dem Schuljahr 2023/24 alle Zürcher Schulen in Tagesschulen überführt werden. Dabei wurde das Mitspracherecht der Angestellten übergegangen. Die Gewerkschaft VPOD fordert nun beim Gemeinderat die notwendigen Korrekturen der Rahmenbedingungen ein. Um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, braucht es existenzsichernde und attraktive Anstellungsbedingungen. Nur so leistet die Tagesschule einen Beitrag zur Chancengleichheit.

Seit Jahren fordert die Gewerkschaft VPOD eine grössere Mitsprache des Personals im Tagesschulprojekt. Als sich in den vergangenen Tagen ein überraschendes Vorpreschen des Schul- und Sportdepartementes abzeichnete, insistierte der VPOD mehrmals direkt bei Stadtrat Filippo Leutenegger. Die Anregungen und Expertise des Personals sollen in die Vorlage einfliessen, bevor die Weisung an Stadt- und Gemeinderat gelangt. Dieses Anliegen wurde dem Sozialpartner verwehrt. Nun braucht es vom Gemeinderat Korrekturen, damit die Angestellten die Tagesschule mittragen werden.

Das Potential der Tagesschule kann aus Sicht des VPOD nur ausgeschöpft werden, wenn (sozial-)pädagogische Überlegungen die Entscheidungsgrundlage für die Ausgestaltung der Tagesschule darstellen. Die Angestellten im Lebensraum Schule in der Stadt Zürich, sind bereit ihren Beitrag zu leisten und fordern, dass Ihre fachlichen Einwände, Anliegen und Empfehlungen berücksichtigt werden:

Betreuungsschlüssel: Ein Ziel, welches die Tagesschule erreichen sollte, ist die Förderung der Chancengerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund entbehrt es jeglicher Logik, dass bereits der heutige Betreuungsschüssel in der Tagesschule einen tieferen Anteil tertiär ausgebildeter Fachpersonen vorsieht als jener im Regelhort. Eine Verschlechterung des Betreuungsschlüssels ist für den VPOD inakzeptabel. Gerade auch integrative Förderung/Inklusion bedingt, dass ausreichend qualifizierte Fachpersonen im Lebensraum Schule eingesetzt werden. Die Qualität der Betreuung hängt dabei nicht bloss von der Anzahl der Betreuungspersonen ab, sondern auch von deren Ausbildung (Qualifikationsmix des Teams).

Zusammenarbeit/Vernetzung im Lebensraum Schule: Der VPOD ist besorgt, dass der Vernetzung und den dafür notwenigen Ressourcen (u.a. Zeit, Infrastruktur, Mitwirkungsgefässe) nicht ausreichend Rechnung getragen wird. Einerseits gilt es den Miteinbezug aller Berufsgruppen (Lehrpersonen, Fachpersonen, Sonderpädagogik, Hausdienst/Technik, Instrumentallehrpersonal und Betreuungspersonal – nicht abschliessend) zu gewährleisten. Andererseits gilt es gerade im Betreuungsschlüssel in der Tagesschule zu berücksichtigen, wer für die Vernetzungsarbeit entsprechend ausgebildet ist und diese leisten kann.

Lehrpersonen in der Betreuung / Betreuungspersonen in der Klasse: Hier bleibt weiterhin unklar, wie die Mitwirkung der einen Berufsgruppe im primären Arbeitsbereich der anderen Gruppe die Bildungsgerechtigkeit optimal stärken soll: Der VPOD hält fest, dass mehr Personen nicht per se «besser» sind. Zusätzliches Personal in der Betreuung und/oder im Unterricht macht dort Sinn, wo ein (sozial-)pädagogischer Mehrwert für Schüler*innen und/oder Entlastung für die verantwortlichen Fachpersonen erreicht werden kann. Zusätzliches Assistenzpersonal ist kein Ersatz für anderes dringend benötigtes Fachpersonal.

Dienstpläne des Betreuungspersonal in der Tagesschule: In Anbetracht des grossen Personalbedarfs über den Mittag, insbesondere am Montag und Freitag, stellt sich für den VPOD die Frage, inwiefern die Stadt in der Tagesschule existenzsichernde Anstellungen garantieren kann. Wie sehen die Dienstpläne für das Betreuungspersonal in der Tagesschule aus? Die Zerstückelung der Pensen ist bereits heute ein untragbares Problem - gerade vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit als auch der Existenzsicherung. Des Weiteren fehlt uns eine Einschätzung dazu, welche Auswirkungen das Splitting der Nachmittagsbetreuung auf die Dienstpläne des Betreuungspersonals haben wird.

Evaluation: Der VPOD stellt fest, dass seine Forderungen vom Evaluationsbericht weitgehend gestützt werden und kritisiert, dass die Resultate erst nach dem Entscheid des Stadtrates veröffentlicht wurden. Das Ziel der Projektphasen wäre es gewesen, die gewonnen Erkenntnisse in die Vorlage einfliessen zu lassen, bevor die Tagesschulen definitiv eingeführt werden sollte. Das wurde nun verpasst. Auf eine weitere Projektephase zu verzichten und gleichzeitig die Evaluationsresultate zurückzuhalten, hält der VPOD für falsch.

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