Medienmitteilung - Umkleidezeit für städtisches Spital- und Pflegepersonal: realitätsfremd, knausrig und ungenügend

Von: fip

Nachdem die Stadt Zürich die Umkleidezeit als Arbeitszeit anerkannt hat, folgt die überfällige Umsetzung für das Gesundheitspersonal: Eine Pauschale von Fr. 60.- pro Monat. Faire Entlöhnung und Wertschätzung sieht anders aus.

Vor über einem Jahr hat die Stadt Zürich beschlossen die Umkleidezeit als Arbeitszeit anzuerkennen. Der damalige Stadtratsbeschluss sah entweder die Berücksichtigung der Umkleidezeit in den Dienstplänen oder die Festlegung von «angemessenen» Zeitpauschalen vor.

Bisher war es so, dass in einzelnen Berufsgruppen bereits heute das Umkleiden während der Arbeitszeit erfolgte. Allerdings fehlte eine gesetzliche Regelung, welche eine Gleichbehandlung aller städtischen Mitarbeitenden gewährleistete. Die Angestellten des Stadtspitals Triemli und Waid oder eines städtischen Pflegezentrums etwa müssen sich ausserhalb der Arbeitszeit umziehen. Das ist stossend. Diese Ungleichbehandlung wollte die Stadt korrigieren. In diesem Sommer beschloss der Stadtrat, dass die konkrete Ausgestaltung in den einzelnen Dienstabteilungen erfolgen soll (Vgl. Kommentar VPOD).

Heute verkündet der Stadtrat nun den Mitarbeitenden der städtischen Spitäler sowie Pflege- und Alterszentren eine Pauschale von Fr. 60.- pro Monat für die Umkleidezeit ausbezahlen zu wollen. Der Betrag reduziert sich je nach Anstellungsgrad. Eine Pauschale von Fr. 60.- macht bei zwanzig Diensten in einem Monat 3.- Fr. pro Dienst oder – je nach dem welches Salär als Berechnungsbasis dient – ca. 4 Minuten pro Dienst, sprich 2 Minuten für das Umziehen am Anfang und am Ende der Schicht. Der VPOD Zürich ist der Auffassung, dass dieser Vorschlag unangemessen und knauserig ist. Dass etwa eine Intensivpflegefachperson länger für das An- und Abziehen ihrer Arbeitskleidung braucht, dürfte aus der Berichterstattung zur Pandemie der vergangenen Monate ersichtlich geworden sein. Je nach Betriebsgrösse sind zudem die Gebäude teils sehr weitläufig.

Die Stadt droht damit, dass bei der Einführung einer Zeitpauschale in den Gesundheitsbetrieben eine Verdichtung der Arbeitszeit (gleiche Aufgabenfülle in weniger Zeit) unumgänglich wäre. Das zusätzliche Personal, das benötigt würde, sei schlicht nicht vorhanden. Seit Jahren herrscht in den Gesundheits- und Pflegeberufen ein drastischer Personalmangel. Dem zugrunde liegen politische Entscheide. Es ist zynisch, wenn die Stadt auf dieses hausgemachte Problem verweist, um eine knausrige Geldpauschale zu begründen. Ein Einbezug des Personals, um eine umsetzbare und faire Lösung auszugestalten, hat nie stattgefunden.

Das Signal ist fatal, das die Stadt Zürich mit diesem realitätsfremden Vorschlag aussendet. Der Vorschlag erfolgt just in einem Moment, in dem das Gesundheitspersonal durch die Covid-19-Pandemie chronisch an ihrer Leistungsgrenze und darüber hinaus schuftet. Wie will sich die Stadt Zürich als attraktive Arbeitgeberin positionieren, wenn sie ihre Mitarbeitenden einen solch knauserigen Wert beimisst? Die Wertschätzung bleibt da auf der Strecke. Der VPOD wird sich entschieden gegen diese Pauschale von 60.- Fr. wehren und erwartet, dass die Stadt zusammen mit dem Personal und den Personalverbänden für alle Dienstabteilungen eine Lösung erarbeitet, die zumindest annähernd die effektive Umkleidezeit abbildet.

Kontakt und Information:
Fiora Pedrina, Regionalsekretärin VPOD Zürich, Enable JavaScript to view protected content., 044 295 30 12
Duri Beer, Regionalsekretär VPOD Zürich, Enable JavaScript to view protected content., 044 295 30 19

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