Petition „Entlasten statt Belasten“ setzt klares politisches Signal: nBA-Anpassungen vom Kantonsrat angenommen

Von: Pinuccia Rustico

Der Zürcher Kantonsrat hat heute dem Kompromiss der Kommission Bildung und Kultur (KBIK) zur Anpassung des neuen Berufsauftrags (nBA) zugestimmt. Der Entscheid sieht insbesondere eine Erhöhung des Klassenlehrpersonen-Faktors von 100 auf 160 Stunden sowie eine Anpassung des Unterrichts-Faktors von 58 auf 59 Stunden vor.

Leider ist die Erhöhung der Stunden für Berufsanfänger nicht durchgekommen. Dies finden wir klarerweise nicht akzeptabel und hoffen, dass dieser Punkt bald wieder zur Diskussion gestellt wird.

Lehrpersonen, Therapeut:innen, organisiert im VPOD Zürich, sehen im heutigen Entscheid sowohl Chancen als auch Grenzen. Besonders das Anheben des Unterrichts-Faktors auf 59 Stunden ist ein Gewinn nicht nur für die Klassenlehrpersonen, sondern auch für alle anderen Lehrpersonen und schulischen Therapeut:innen. Dieses zusätzliche Zeitbudget ermöglicht eine bessere Planung, Entlastung im Alltag und verbessert somit spürbar die Arbeitsbedingungen. Man kann von einem generellen Fortschritt für unsere Arbeitsrealität sprechen.

Ein wesentlicher Faktor für den heutigen Entscheid war auch die Petition „Entlasten statt Belasten“, die mit 7’400 Unterschriften ein klares und unübersehbares Zeichen gesetzt hat. Die breite Unterstützung aus der Bevölkerung und von pädagogischen Fachpersonen hat den politischen Druck erhöht, das Thema sichtbar gemacht und entscheidend dazu beigetragen, dass der neue Berufsauftrag öffentlich und ernsthaft diskutiert wurde.

Unsere Haltung bleibt dennoch klar: Lehrpersonen und schulische Therapeut:innen brauchen deutlich mehr Entlastung und bessere Rahmenbedingungen. Der neue Berufsauftrag muss weiterentwickelt werden, ohne dass dies auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter der Zürcher Volkschule oder der Qualität der Volksschule geschieht. In diesem Sinne begrüssen wir den heutigen Entscheid als Schritt in die richtige Richtung, auch wenn er unsere weitergehenden Forderungen nicht vollständig erfüllt.

Wir anerkennen die Bemühungen des Kantonsrats und der Kommission, einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Gleichzeitig ist klar: Die Diskussion um den nBA ist damit nicht abgeschlossen. Entscheidend wird sein, ob diese Anpassungen der Realität im Schulalltag tatsächlich gerecht werden. Unsere Arbeit geht daher weiter. Wir werden den direkten Austausch mit den Lehrpersonen und Therapeut: innen suchen und sie fragen, ob die beschlossenen Anpassungen ihren tatsächlichen Belastungen entsprechen. Ihre Rückmeldungen werden zentral sein für die nächsten politischen Schritte.

Damit der KBIK-Kompromiss endgültig umgesetzt werden kann, ist noch die Redaktionslesung erforderlich. Danach besteht die Möglichkeit, dass Parteien, die den Kompromiss heute abgelehnt haben, ein Referendum lancieren. Auch der Gemeindepräsident prüft diesen Schritt aus finanziellen Überlegungen. Wir im VPOD Zürich setzen jedoch auf unsere Sensibilisierungs- und Informationsarbeit, unser politisches Engagement sowie den Dialog im Rahmen des sozialen Partners, um ein solches Referendum nach Möglichkeit zu verhindern.

Der heutige Entscheid ist ein Anfang. Nun gilt es, konsequent weiterzugehen, damit der nBA nachhaltig verbessert wird und die Volksschule auch in Zukunft qualitativ hochwertig und gesundheitsverträglich bleibt.

Kontakt und Information:
Pinuccia Rustico, Gewerkschaftssekretärin VPOD Zürich Lehrberufe, 044 295 30 25


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19.01.2026 Medienmitteilung_neuer Berufsauftrag_Entscheid Kantonsrat PDF (159.3 kB)