VBZ Fahrpersonal mit starkem Signal

Von: Duri Beer

Weit über 1000 VBZ-Angestellte haben sie unterschrieben. Die «Petition für faire Arbeitsbedingungen». Innert sieben Wochen gesammelt. Von VPOD-Aktivist*innen. Am 8. Juli übergeben sie ihre Forderungen Stadtrat Michael Baumer. Vor dem Rathaus Hard in Zürich-Aussersihl. Um 16.30 Uhr.

Sie wollen erstens, dass die VBZ beim Pilotversuch für eine 35-Stunden-Woche der Stadt Zürich mitmacht und dabei mithilft herauszufinden, welche positive Wirkung auf Gesundheit und Produktivität sich messen lässt. Sie wollen zweitens, dass sie zwischen zwei Dienstteilen nicht länger als 90 Minuten Pause machen müssen, damit sich 12-, 13- oder 14-stündige Präsenzzeiten vermeiden lassen. Und sie wollen drittens generell keine Gratis-Arbeit mehr leisten müssen und verlangen Transparenz bei den Verhandlungen um die neue Betriebliche Vereinbarung, die nötig werden, weil der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) den Rahmen-GAV als Qualitätsmerkmal und Schutz vor Sozial- und Lohndumping nie anerkannt hat und dieser folglich per Ende 2025 ersatzlos gekündigt wurde.

Die Betriebliche Vereinbarung sollte in der Vergangenheit die Anwendung der Bestimmungen des Rahmen-GAV sowie des Personalrechts der Stadt Zürich für die Mitarbeitenden der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) sicherstellen und war 2014 zusammen mit dem Rahmen-GAV eingeführt worden. Dieser wiederum sollte zur Anwendung kommen, wenn der ZVV Transportaufträge oder Konzessionen vergibt. Leider ohne Erfolg.

Letzten Herbst hatten die Aktivist*innen beim ZVV in Oerlikon symbolisch den GAV geschreddert und «Respäkt fürs ÖV-Personal» eingefordert. ZVV-Direktor Dominik Brühwiler hatte sich auf den Standpunkt gestellt, er könne nichts machen. In der Verantwortung stünden die Transportunternehmen, das Personal sei beim ZVV an der falschen Adresse, es müsse sich an seine Anstellungsinstanzen wenden, wenn es Verbesserungen vorschlagen wolle.

Über 1000 VBZ-Trampilotinnen, Busfahrer, Instandhalter und Schichtdienst leistende Mitarbeitende wenden sich jetzt an ihren Stadtrat Baumer und fordern mehr Mut, Engagement und Einsatz im Bemühen um die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Für zukunftsfähige Arbeitsplätze. Die freiwillige Teilnahme an der Studie zum geplanten 35-Stunden-Schichtarbeit-Pilotversuch bietet die Gelegenheit dazu.

Sie erwarten bis Ende August vom Stadtrat eine konstruktive Antwort auf ihre Petition und Aussicht auf bessere Arbeitsbedingungen. Denn die Betriebliche Vereinbarung ist nur noch bis Ende 2027 gültig und muss in den kommenden Monaten neu verhandelt werden. Die im VPOD organisierten Mitarbeitenden streben nach wie vor die 35-Stunden-Woche für Schichtarbeit an und sehen mit dem Wegfall des Rahmen-GAV keinen Grund zur Erneuerung und Wahrung der Friedenspflicht gegenüber dem Kanton oder der Stadt Zürich.

Kommentar zur ZVV Rechnung 2025

Blick aufs Wesentliche

Jedes Jahr dasselbe Schulterklopfen: Neuer Rekord! 687 Millionen Fahrgäste – ein Zwölftel der Weltbevölkerung - hat der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) befördert. 2,6% mehr als im Vorjahr. Trotz gestiegener Preise. Den Kostendeckungsgrad auf national unerreichte 65,2% (Landesdurchschnitt ca. 50%) geschraubt. Ritualisiert ist auch der Hinweis im Presse-Communiqué auf das Defizit von 400 Mio. Franken, obwohl wie jedes Jahr tiefer als budgetiert und um 5% geringer als im Vorjahr.

Kein Hinweis auf das Risiko, dass jede/r Dritte Mitarbeitende bis 2035 pensioniert wird. Kein Plan. Keine Aussichten auf Investitionen in das Schichtpersonal. Das dauerhaft gesund im Beruf bleiben soll. Stattdessen solche in die Infrastruktur, die künftig einen 24/7-Betrieb ermöglichen soll.

Verloren hat der ZVV im vergangenen Jahr – auch dem Trend entsprechend - an treuen Kundinnen und Kunden, die ein Jahresabonnement lösen (-1%) und an persönlichem Kundenkontakt, weil er mittlerweile Verkaufsstellen geschlossen hat und entsprechend 80% der Tickets digital verkauft.

Aber der Blick auf die Bilanz und Rechnung des ZVV 2025 zeigt auch Erfreuliches: Investitionen in das Schichtpersonal sind finanzierbar. Die Festlegung der 35-Stundenwoche für Schichtarbeit würde weniger kosten als die Differenz zwischen Rechnung und Budget ausweist (8,5 Mio. Fr.) ausweist. Die Abwesenheitstage würden sich innert kurzer Zeit massiv reduzieren, die Produktivität gesteigert. Wer das nicht sieht, verkennt das Wesentliche. Und wird zum Totengräber des öffentlichen Verkehrs.